Humor hebt die Seele über Abgründe

(Anselm von Feuerbach)

Die Knappheit an Gesundheitsdienstleistenden ist seit Jahren hinreichend bekannt und treibt immer neue Stilblüten. Die aktuelle Entwicklung versucht die Knappheit an Humanressourcen mit Hilfe der Digitalisierung und einer Telemedizin zu bekämpfen. Im Gegensatz zur ärztlichen- vollzieh sich jedoch die betriebswirtschaftliche Qualitätssicherung nach dem Pareto-Prinzip: 80% der Qualität wird mit 20% Aufwand erreicht. Perfektion ist für den Hard- und Software-Hersteller viel zu unwirtschaftlich. Doch wer würde sich schon in ein Krankenhaus einweisen lassen in dem nur 8 von 10 Patienten eine Gallenoperation überleben? Wer würde sein Leben der Qualität eines Softwareupdate anvertrauen? Zum Glück verhindern mutige Dienstleistende mit ihrer Mehrleistungsbereitschaft diese Entwicklung, doch sie müssen ihre Dienste immer häufiger mit der digitalen Pareto-Qualität verrichten. Womit ist zu rechnen wenn diese immer weniger werdenden Menschen durch künstliche Intelligenz ersetzt werden? Die Entwicklung hat in der Psychiatrie schon begonnen doch sie ist nicht wirklich neu wie das folgende Gedicht zeigt. Es bleibt die bange Frage: wo sind die Erwachsenen in der Politik? wo?

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Das digitale Krankenhaus

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Patientchen war allein im Haus,

die Ärzte waren alle aus.

Da sah es plötzlich vor sich stehn

ein Krämerchen, schön anzusehn.

"Ei'', sprach es: „schau her wie schön und fein,

das wird Dein neues Ärztchen sein,

mach schell Dir ein Programmchen an,

wie's oft die Ärzte haben getan." 

Und Minz und Maunz, die Katzen,

erheben ihre Tatzen.

Sie drohen mit den Pfoten:

"Der Hausarzt hat's verboten!

Miau! Mio! Miau! Mio!

Lass stehn! Sonst brennst du lichterloh!'' 

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Patientchen hört die Katzen nicht!

Der Bildschirm brennt gar hell und licht,

das flackert lustig, rattert auch,

der Kranke nur ins Schirmchen schaut.

Patientchen traut sich immer mehr

und springt im Netzchen hin und her.

Doch Minz und Maunz, die Katzen,

erheben ihre Tatzen.

Sie drohen mit den Pfoten;

"Der Hausarzt hat's verboten!

Miau! Mio! Miau! Mio!

Schalt`s aus! Sonst brennst du lichterloh!.'' 

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Doch weh! Die Flamme fasst das ratlos Kind,

der Schmerz kam plötzlich, zu geschwind.

Erst brennen Körper, dann Verstand,

es brennt sogar das ganze Land.

Und Minz und Maunz, die schreien

gar jämmerlich zu zweien:

"Herbei! Herbei! Wer kann noch retten?

Es verbrennen uns die ganzen Betten!

Miau! Mio! Miau! Mio!

Zu Hilf'! Patient brennt lichterloh!" 

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Verbrannt ist Alles ganz in Stille,

Job, Karrier und Arbeitswille.

Ein Häuflein Rente bleibt dem armen Schwein,

reich wurd nur das Krämerlein.

Und Minz und Maunz, die kleinen,

die sitzen da und weinen:

"Miau! Mio! Miau! Mio!

Wo sind die Ärzte? Wo?"

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Und Medikamente fließen,

wie Bächlein auf den Wiesen.

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