as Institut für angewandte Mehrpersonenpsychologie (IfaM) fördert und wirbt für eine Mehrpersonen-Psychologie als Weiterentwicklung des herkömmlichen Ein-Personen-Ansatzes des ICD-10.


Seit den Anfängen des Rechts hat sich das Rechtsverständnis, von einem altägyptischen Sippenrecht (Ištar) über den griechischen Areopag (Ares) und das römische patria potestas, dem Vorrecht der Väter (mos maiorum), hin zu einem modernen Individualstrafrecht entwickelt.   Schuld trägt in der Neuzeit immer nur der Einzelne, das Individuum, Mehrpersonenerklärungen gelten als diluvial.

Die moderne Ein-Personen-Psychologie folgt diesem Ansatz und versucht mit Hilfe des ICDs definierte Beschreibungen für die Verhaltensauffälligkeiten Einzelner zu finden. Immer ausgefeiltere Steckbriefe sollen kranke Individuen von gesunden trennen. Diese Entwicklung stößt bei einigen Phänomenen, wie der dissozialen Egomanie, die man umgangsüblich als „Narzissmus“ bezeichnet, an ihre Grenzen.


Man kann Narzissmus im Sinne einer Ein-Personen-Steckbriefpsychologie verstehen, als dissozialer Irrweg eines selbstverliebten Majestätssubjektes. Doch es bleibt ein Unbehagen in der Natur (Freud), weil gerade die Täuschung die Währung der Erotik ist. Es sind die schmutzigen Jungs, die Herzen brechen und es ist die Natur des teuflischen Spiels, das den menschlichen Verstand verwirrt, wie es die Rolling Stones formuliert haben.


Die Selbstverliebtheit des Narzissten könnte aber auch im Sinne einer Mehrpersonenpsychologie verstanden werden, als Endstrecke eines misslungenen Bindungsversuch einer oder mehrerer Personen, die um eine zentrale Figur buhlen. 


Durch das überzogene und erfolglose Werben des Schwarms (Echo) verfällt der Umschwärmte (Narziss) in einen tragischen Irrtum. Die Schmeicheleien und die sexuelle Hingabe der, mit allen Mitteln, Werbenden erzeugen in dem, von dem Werben unberührten, Umschwärmten eine Illusion von Allmacht eines Größen-Selbst (H. Kohut). 


Je erfolgloser das Werben verläuft, um so mehr bekommen die Schmeicheleien der Verschmähten eine aggressive Beimischung. In der Endstrecke wird der unendliche Widerhall des Beifalls zu einer Art von heimtückischer Rache für die Ablehnung, die sich immer deutlicher hinter dem erotischen Versteckspiel erahnen lässt. Aus dem „wir-folgen-Dir-gerne“, dem „wir-sind-wir“, wird ein „wir-sind-wirr“. Ein wirr geführter Schwarm, der im Grunde nur noch eine hohle Echokammer eines, im Beifall, vereinsamten Anführers ist.


Der von den Schmeicheleien, dem Echo seiner Größenphantasien, Berauschte verfällt zunehmend in einen gewalttätigen Hochmut, eine Hybris, die zur Nemesis einer Kompetenzillusion wird. Von Schmeichelei zu Schmeichelei, langsam und unbemerkt, entfernt sich seine innere Wahrnehmung  immer mehr von der objektiv nachprüfbaren Realität und wird zum Größen-Wahn einen Majestätssubjekts.


Am Ende geraten die Umschwärmten in ihrer eigenen Echokammer in einen vollkommen berauschten Zustand, eine Art von Besoffenheit von der eigenen Grandiosität. In der griechischen Mythologie findet sich dieser Rausch in dem „asbestos gelôs“, dem wirren Homer`schen Lachen der Freier im Haus der Penelope.


Viele Männer verfallen dieser Verführung. Wie ihre, abseits des Beischlafs verschmähten, Konkubinen und die betrogenen Ehefrauen werden diese Herzensbrecher zu tragischen Figuren in einer dramatischen Inszenierung einer Kleingruppe, Auch Frauen können von dem biologischen Schwarmphänomen betroffen sein, wie das Schicksal der realen Figur hinter dem Roman von Gustave Flaubert, Madame Bovary, zeigt.


Erst durch den Mehrpersonenblick wird das Handeln als kollusives Beziehungsarrangement erkennbar, als Krankheit eines Schwarms. Die Schwärmenden bilden einem autopoietischen Organismus und der Beifall wird Teil der Abstoßungsreaktion gegenüber dem zentralen, vom tobenden Beifall in seiner Echokammer umnebelten Fremdkörper. Kritische Rückmeldungen sind das Einzige was uns davon abhalten kann, verrückt zu werden.


Die Befugnis „Echo and Narcissus" von John William Waterhouse graphisch zu überarbeiten und auf dieser Seite zu verwenden wurde mir von dem National Museum Liverpool, Walker Art Gallery (Copyright) erteilt.

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